“Den Sommer zuhause verbringen oder nach Kenia gehen?”

 

Diese Frage stellte ich, Lisi Felder (von meinen motivierten Englischschülern auch Miss Fields genannt), mir Anfang 2016. Nachdem mein geplanter Sommerurlaub ins Wasser fiel musste spontan eine Alternative her. Auf Facebook sah ich eine Volontär-Anzeige, meldete mich darauf und lies mich kurzerhand auf das Abenteuer Afrika ein. Ohne zu wissen, dass mein Verwandter Xaver in Malindi arbeitet, wurde ich von der Stellenvermittlung in die kleine Stadt Malindi an der Küste Kenias in ein Kinderheim geschickt. Dort verbrachte ich 8 unvorstellbar schöne Wochen mit den Kindern im Kinderheim. Neben der Mithilfe im Haushalt (putzen & kochen), galt meine Hauptaufgabe natürlich der Beschäftigung der Kinder. Hausaufgaben machen, spielen, singen, tanzen und „einfach“ für sie da sein. Die Situation im Heim war wirklich erschreckend – das Grundlegendste fehlte. Nahrungsmittel, genügend Betten, Kleidung, Schulgebühren, Hausmiete und hin und wieder sogar Strom und Wasser. Dennoch waren die Kinder glücklich und strahlten eine unbeschreibliche Zufriedenheit aus. Hätte ich damals die Wahl gehabt – ich wäre sofort in Kenia geblieben.  

Für mich war klar, ich würde auf jeden Fall wieder in das Heim zurückkehren und alles Mögliche tun, um die Leiterin zu unterstützen, damit sich die Situation verbessert. Doch alles kam ganz anders. Zurück im Ländle fand ich heraus, dass der Großteil der Spenden, die das Heim erhielt, von der Leiterin eingesteckt werden. Damals war es ein großer Schock für mich. Heute weiß ich, dass viele Kinderheime wie „Geschäfte“ geführt werden. Eigentlich hätte ich nach dieser Erfahrung von Kenia genug haben müssen. Doch so war es nicht. Gerade wegen dieser Erfahrung wollte ich unbedingt zurück nach Malindi.  Ich hatte Glück, denn Dank Xaver, der schon seit über 40 Jahren als Missionar in Kenia tätig ist, hatte ich die Möglichkeit als Volontärin im Small Home (ein Heim/Projekt für Kinder mit Behinderung) zu arbeiten.

Im September 2017 begann ich meine Zeit als Volontärin im Small Home. Es war geplant, dass ich für ein ganzes Jahr in Kenia bleibe. Allerdings wurde daraus nichts, denn ich wurde von der Leiterin des ersten Kinderheims (indem ich 2016 war) bei der Einwanderungsbehörde und bei der Polizei angezeigt. Der Leiterin gefiel es nicht, dass ich nun das Small Home unterstütze. Nach etlichen Gesprächen mit den Beamten und der Polizei war mir klar, dass ich keine andere Möglichkeit habe, als wieder nach Hause zu gehen. Seit November 2017 bin ich nun wieder in Vorarlberg und unterrichte. Während der 3 Monate in Kenia begann ich gemeinsam mit Schwester Fely bedürftigen Kindern und Familien zu helfen (Schulgebühren, Nahrungsmittel, Medizin, …). Dank der Spenden aus Vorarlberg war es uns möglich, immer mehr Menschen zu helfen und es entstand das Projekt PAMOJA – was in Swahili so viel wie „mitanand“ (Deutsch: gemeinsam) bedeutet. Nach den Erfahrungen und Erlebnissen, die ich selbst gemacht habe, ist es mir ein  besonders großes Anliegen, dass ich garantieren kann, dass 100% der Spenden am richtigen Ort ankommen. Zweimal im Jahr reise ich selbst nach Kenia und besuche die Familien und Projekte persönlich (auf eigene Kosten natürlich 😉). Mittlerweile sind es nicht nur Schwester Fely und ich, sondern ein ganzes Team von Freiwilligen (in Vorarlberg, Deutschland und Kenia), die die Umsetzung der Hilfe möglich machen.